Demokratie-Hub für Spanischsprachige in Berlin
Ein erfolgreicher Auftakt für den Demokratie-Hub.
Unsere Community-Agenda steht!
Der „Demokratie-Hub für Spanischsprachige in Berlin“ ist ein Kooperationsprojekt der Werkstatt für Sozialforschung e. V. und des Podcasts El Tercer Voto. Es wird durch die Berliner Landeszentrale für politische Bildung gefördert und startete im Frühjahr 2026 mit seinen ersten beiden Community-Treffen.
Angesichts der bevorstehenden Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 hat sich die Initiative zum Ziel gesetzt, der rund 30.000 Personen umfassenden spanischsprachigen Gemeinschaft in der Hauptstadt eine politische Stimme zu geben.
Da ein Großteil dieser Gemeinschaft aufgrund fehlender Wahlrechte formal von der politischen Mitbestimmung ausgeschlossen ist, dienen die Veranstaltungen dazu, Informationsdefizite abzubauen, Missstände systematisch zu erfassen und Kanäle für den direkten Dialog mit der Berliner Politik zu eröffnen. Die beiden ersten Treffen in den Stadtteilen Kreuzberg und Prenzlauer Berg fungierten dabei als methodisch verzahnte Mobilisierungs- und Datenerhebungsphase.


Die erste Veranstaltung fand am Donnerstag, dem 26. März 2026, in der Kreuzberger Buchhandlung Bartleby & Co. statt. Bereits beim Einlass wurden die Teilnehmenden mit einer vorbereiteten Problem-Matrix konfrontiert.
Auf einem Flipchart waren typische Herausforderungen der migrantischen Community visualisiert, die von den Anwesenden mittels Klebepunkten gewichtet werden konnten. Zudem bestand die Möglichkeit, handschriftlich eigene Themen zu ergänzen.
Nach einer kurzen Vorstellung der Projektträger:innen und der wissenschaftlichen Methodik, die im Verhältnis zur Grundgesamtheit eine beachtliche Repräsentativität aufweist, ging das Treffen in eine moderierte Open-Floor-Debatte über. Die Teilnehmenden artikulierten anhand von Leitfragen ihre persönlichen Beweggründe, Erwartungen und die drängendsten strukturellen Probleme, was fortlaufend protokolliert wurde. Parallel dazu wurden Video- und Tonaufnahmen sowie individuelle Testimonials im vertikalen Format gesammelt.
Auf den dort gewonnenen Erkenntnissen baute die zweite Veranstaltung auf, die am Mittwoch, dem 29. April 2026, im Kulturraum La Escalera im Prenzlauer Berg stattfand.
Während beim ersten Treffen in Kreuzberg die breite Sammlung und erste Gewichtung von Problemen im Vordergrund standen, konzentrierte sich das Treffen in La Escalera auf die qualitative Vertiefung und Konsolidierung der gesammelten Daten.
Ziel war es, die vielschichtigen Diskussionsbeiträge in eine konkrete „Agenda der Community“ zu überführen. Durch diesen methodischen Schritt wurden die unstrukturierten Sorgen der Betroffenen in ein systematisches Forderungspapier transformiert. Auch bei diesem zweiten Treffen wurden kontinuierlich Medieninhalte produziert, um die Stimmen der Teilnehmenden dauerhaft dokumentarisch festzuhalten und in einem Podcast für die breitere Öffentlichkeit aufzubereiten.
Die von den Teilnehmenden herausgehobenen Themen spiegeln die vielschichtigen strukturellen und alltäglichen Barrieren wider, mit denen die spanischsprachige Gemeinschaft in Berlin konfrontiert ist.
Im Zentrum der Sorgen steht die prekäre Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt, insbesondere die rasant steigenden Mietpreise. Diese stehen in engem Zusammenhang mit den allgemein gestiegenen Lebenshaltungskosten und stellen eine erhebliche finanzielle Belastung dar.
Diese wirtschaftliche Drucksituation wird durch Missstände in der Arbeitswelt verschärft: Viele Community-Mitglieder kämpfen dort mit prekären Arbeitsbedingungen, Niedriglöhnen oder ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen. Hinzu kommen massive bürokratische Hürden. Eine als übermäßig und blockierend empfundene Verwaltung erschwert behördliche Abläufe.
Dies führt insbesondere im Bereich des Ausländerrechts sowie bei der Beantragung und Verlängerung von Visa zu existentiellen Unsicherheiten.
Neben diesen existenziellen und rechtlichen Fragen beschäftigen die Gemeinschaft auch Themen des gesellschaftlichen Miteinanders und der Lebensqualität in der Stadt. Diskriminierung und Rassismus im Alltag und im Beruf wurden als gravierende Probleme benannt.
Ebenso wurden konkrete städtische Defizite angesprochen, darunter die zunehmende Verschmutzung des öffentlichen Raums durch Müll und punktuelle Sicherheitsbedenken.
Besonders kritisch wahrgenommen wird zudem der spürbare Verfall öffentlicher Dienstleistungen, der sich vor allem in Engpässen und Qualitätsmängeln im Bildungssystem sowie im öffentlichen Nahverkehr äußert.
All diese Herausforderungen werden durch den formalen Ausschluss von der politischen Teilhabe verstärkt, da das fehlende Wahlrecht es der Community erschwert, ihren berechtigten Forderungen nach Verbesserungen auf politischem Weg Gehör zu verschaffen.


Zusammenfassend gelang es durch die Verknüpfung der Veranstaltungen in Bartleby & Co. und La Escalera, eine solide, empirisch gestützte Grundlage für die nächste Phase des Demokratie-Hubs zu schaffen.
Die aus der Community heraus erarbeitete Agenda bildet nun das Fundament für die anstehenden politischen Schritte, deren Zeitplan sich jeweils um einen Monat verschiebt.
Als nächster Meilenstein steht im Juni ein Informationsbesuch im Berliner Abgeordnetenhaus auf dem Programm, bei dem die Teilnehmenden die parlamentarische Arbeit aus nächster Nähe kennenlernen können.
Darauf aufbauend wird das Projektteam im Juli im Rahmen von Fachtreffen direkt an die Vertreter:innen der Berliner Parteien herantreten.
Mit den validen Daten und den dokumentierten Forderungen der ersten beiden Veranstaltungen im Rücken konfrontiert die Community die Politik mitten im Sommer und kurz vor der heißen Phase des Wahlkampfs mit den realen Lebensrealitäten und Barrieren der spanischsprachigen Berliner:innen, um konkrete politische Zugeständnisse und Verbesserungen einzufordern.
Gefördert durch

Das Projekt wird im Rahmen der Förderrichtlinie der Berliner Landeszentrale für politische Bildung im Themenschwerpunkt „Wahlen und andere Wege demokratischer Teilhabe“ gefördert.


