Politische Bildung in Werkstätten für Menschen mit Behinderung
Erster Projektdurchgang bei VIA Blumenfisch erfolgreich abgeschlossen
Im Frühjahr 2026 fand der erste Durchgang unseres Projekts „Werkstätten” mit Beschäftigten der VIA Blumenfisch-Werkstatt statt. Die Teilnehmenden setzten sich dabei mit Themen wie Vielfalt, Selbstbestimmung, gesetzlicher Betreuung und politischer Mitbestimmung auseinander. Ein besonderer Höhepunkt war der gemeinsame Besuch des Deutschen Bundestags, bei dem Demokratie direkt erfahrbar wurde.
Die Rückmeldungen waren durchweg positiv: Viele Teilnehmende wünschten sich weitere Angebote zu den Themen Politik, Gesellschaft und eigene Rechte. Der Auftakt hat gezeigt, wie wichtig inklusive politische Bildungsräume sind, in denen persönliche Erfahrungen, Fragen und Perspektiven ernst genommen werden.
Nach diesem gelungenen Start folgen nun fünf weitere Projektdurchgänge mit anderen Berliner Werkstätten.

Von März bis April 2026 führte die Werkstatt für Sozialforschung e. V. eine Workshop-Reihe mit Beschäftigten der VIA Blumenfisch Werkstatt durch. Im Mittelpunkt standen politische Bildung, Selbstbestimmung und die Frage, wie gesellschaftliche Themen mit den eigenen Erfahrungen verbunden werden können.

An sechs Terminen arbeiteten durchschnittlich 15 bis 16 Teilnehmende gemeinsam mit dem Moderationsteam. Bereits zu Beginn wurde deutlich: Damit politische Bildung gelingen kann, braucht es einen geschützten Raum, gegenseitigen Respekt und klare Regeln für das gemeinsame Gespräch. Die Gruppe entwickelte daher eigene Vereinbarungen für die Zusammenarbeit. Besonders wichtig war den Teilnehmenden, einander ausreden zu lassen und aufmerksam zuzuhören.
Die inhaltlichen Schwerpunkte wurden nicht vorgegeben, sondern gemeinsam ausgewählt.
Die Teilnehmenden entschieden sich unter anderem für die Themen geschlechtliche und sexuelle Vielfalt, persönliche Rechte, gesetzliche Betreuung und politische Mitbestimmung.
Durch Gespräche, Kleingruppenarbeit, Input von Expert:innen und offene Fragerunden entstand ein lebendiger Lernraum, in dem persönliche Erfahrungen ausdrücklich Platz hatten.


Ein besonderer Höhepunkt war die Exkursion in den Deutschen Bundestag.
Dort konnten die Teilnehmenden politische Institutionen unmittelbar erleben und die zuvor besprochenen Inhalte mit konkreten Orten demokratischer Entscheidungsprozesse verbinden.
Der Besuch machte deutlich, dass Demokratie kein abstraktes Thema ist, sondern erfahrbar und zugänglich werden kann.
Besonders intensiv wurde die Auseinandersetzung mit den Rechten von Menschen mit Behinderung im Kontext gesetzlicher Betreuung geführt.
Viele Teilnehmende berichteten offen von eigenen Erfahrungen, Unsicherheiten und Konflikten im Spannungsfeld von Familie, Betreuung und Selbstbestimmung.
Die Workshops stärkten sie darin, eigene Rechte wahrzunehmen, Fragen zu stellen und Unterstützung einzufordern.

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen insgesamt sehr positiv aus. Besonders geschätzt wurden die Moderation, die offene Atmosphäre und die Möglichkeit, Neues über Politik und Gesellschaft zu lernen. Zugleich wurde deutlich, dass weiterhin großer Bedarf an Austausch, Information und Empowerment besteht, insbesondere zu den Themen Betreuungsrecht, Selbstvertretung und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen.
Die Workshop-Reihe zeigte eindrucksvoll, wie politische Bildung inklusiv, erfahrungsnah und stärkend gestaltet werden kann. Für zukünftige Angebote nehmen wir mit: Es braucht ausreichend Zeit, angepasste Formate und Räume, in denen die Fragen, Perspektiven und Anliegen der Menschen ernst genommen werden.
Der Wunsch nach einer Fortsetzung ist ein starkes Zeichen: Politische Bildung wirkt besonders nachhaltig, wenn Menschen sich selbst als handelnde und mitbestimmende Personen erleben.
Wir danken allen Teilnehmenden von VIA Blumenfisch für ihr Vertrauen, ihre Offenheit und ihr Engagement.

