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Aktuelles

Demokratische Resilienz entsteht im Austausch

PACADER zieht Halbzeitbilanz

Was können Gewerkschaften, zivilgesellschaftliche Initiativen und politische Bildungsarbeit dem Erstarken der extremen Rechten entgegensetzen? Und was lässt sich dabei voneinander lernen, wenn Akteur:innen aus Spanien und Deutschland ihre Erfahrungen zusammenbringen?

Nach der ersten Hälfte des Projekts PACADER zeigt sich, dass demokratische Resilienz nicht durch eine einzelne Methode entsteht. Sie wächst dort, wo Wissen geteilt, lokale Erfahrungen ernst genommen, neue Formen politischer Bildung erprobt und grenzüberschreitende Netzwerke aufgebaut werden.

PACADER steht für „Partnership for Civic Action and Democratic Resilience“. Das von der Werkstatt für Sozialforschung e. V. koordinierte Erasmus+-Projekt startete Ende 2025 und läuft bis Februar 2027.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie politische Erwachsenenbildung demokratische Handlungskompetenzen stärken kann. Zugleich geht es darum, Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen im Umgang mit extrem rechten Entwicklungen zu unterstützen. Der geografische Schwerpunkt liegt auf Kastilien und León in Spanien sowie Sachsen und Thüringen in Deutschland. 

PACADER ist nicht als klassische Seminarreihe angelegt. Das Projekt schafft vielmehr einen transnationalen Lernraum. Organisationen, Bildungsakteur:innen und Engagierte mit unterschiedlichen Erfahrungen kommen miteinander ins Gespräch. Themen sind unter anderem der Aufstieg der extremen Rechten, gesellschaftliche Polarisierung, Strategien gegen rassistische und queerfeindliche Diskurse sowie politische Kommunikation. Eine weitere Frage ist, wie demokratische Bildungsarbeit Menschen erreicht, die mit etablierten Formaten kaum noch anzusprechen sind.

Nach mehreren Online-Workshops und einer Präsenzphase in Kastilien und León kann nun eine erste Zwischenbilanz gezogen werden.


Workshop 1: Ein gemeinsamer Ausgangspunkt – aber unterschiedliche Erfahrungen (6. März 2026)

Eine zentrale Idee von PACADER besteht darin, Entwicklungen in Spanien und Deutschland vergleichend zu betrachten, ohne die politischen und gesellschaftlichen Kontexte gleichzusetzen. Genau damit begann die inhaltliche Arbeit im ersten Workshop.

Auf spanischer Seite berichteten Vertreter:innen von Comisiones Obreras (CCOO) Castilla y León und der Fundación Triángulo sowie weitere Beteiligte über das Erstarken der extremen Rechten. Besonders im Blick stand dabei die Situation in Kastilien und León. Dabei ging es nicht nur um Wahlergebnisse. Im Mittelpunkt standen vielmehr die Konfliktfelder, die die extreme Rechte aufgreift und zuspitzt. Dazu zählen Migration und Sicherheit, Geschlechterverhältnisse und LGBTIQ+-Rechte, die ökologische Transformation, ländliche Regionen und die franquistische Vergangenheit.

Für Kastilien und León ist diese Diskussion besonders konkret. Die Region gehört zu denjenigen in Spanien, in denen die extreme Rechte bereits direkte Regierungserfahrung sammeln konnte. Für Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen stellte sich deshalb eine doppelte Frage: Wie kommunizieren extrem rechte Parteien? Und was geschieht, wenn ihre Positionen Eingang in Regierungshandeln und öffentliche Politik finden? 

Die deutschen Beiträge aus Thüringen und Sachsen eröffneten eine andere Perspektive auf ähnliche Herausforderungen. Vertreter:innen aus Gewerkschaften, politischer Bildung, Beratungsstrukturen und lokalen Initiativen berichteten über die Stärke der extremen Rechten in Ostdeutschland. Als Gründe wurden gesellschaftliche Veränderungen seit 1990, fehlende Infrastruktur in ländlichen Gebieten, Abstiegsängste und mangelnde Repräsentation genannt. Zugleich wurde deutlich, unter welchem Druck demokratisch engagierte Organisationen inzwischen arbeiten.

Im Vergleich wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar. Ländliche Räume in Kastilien und León sind jedoch nicht mit Regionen in Sachsen oder Thüringen gleichzusetzen. Die spanische Geschichte des Franquismus ist nicht mit der deutschen Geschichte des Nationalsozialismus, der DDR und der Transformation nach 1990 vergleichbar. Auch die Parteiensysteme und institutionellen Reaktionen unterscheiden sich. Dennoch tauchten ähnliche Fragen auf: Was geschieht, wenn Menschen den Eindruck gewinnen, politisch nicht gesehen zu werden? Wie werden soziale Unsicherheiten in kulturelle Konflikte übersetzt? Und warum gelingt es extrem rechten Akteuren häufig, sich als Vertreter der Nichtrepräsentierten darzustellen?

Am Ende des Workshops wurden daraus Leitfragen für die weitere Arbeit formuliert. Wie können demokratische Akteur:innen eigene Narrative entwickeln, statt permanent auf die Themen der extremen Rechten reagieren zu müssen? Wie können bestehende Bündnisse zwischen Gewerkschaften, sozialen Initiativen und anderen Organisationen verbreitert werden? Und wie können dauerhafte transnationale Verbindungen entstehen, wenn die extreme Rechte ihrerseits längst international vernetzt agiert?


Workshop 2: Gegen Gerüchte reicht es nicht, Fakten zu präsentieren (7. Mai 2026)

Der zweite Online-Workshop führte den Blick ins Baskenland. Zu Gast war Andrea Ruiz Balsola, Anthropologin mit Schwerpunkt Migration und gesellschaftliche Diversität. Sie ist seit den Anfangsjahren mit der baskischen Antirumores-Arbeit verbunden.

Die sogenannte Estrategia Antirumores entstand 2010 in Barcelona. Ausgangspunkt war die alltägliche Beobachtung, dass sich Ressentiments gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund nicht ausschließlich durch organisierte politische Kampagnen verbreiten. Sie leben auch in scheinbar beiläufigen Sätzen weiter – in Gesprächen über Sozialleistungen, Kriminalität, Schulen, Gesundheitsversorgung oder Nachbarschaften. Ab 2010 entstanden auch im Baskenland lokale Ansätze. 2015 wurde daraus ZAS (Zurrumurren Aurkako Sarea), das baskische Antirumores-Netzwerk. 2019 konstituierte es sich als gemeinnütziger Verein. 

Für PACADER war besonders die lokale Arbeitsweise interessant. Bevor eine Antirumores-Strategie in einem Stadtteil umgesetzt wurde, analysierte man das soziale Umfeld: Wer lebt dort? Welche Schulen, Geschäfte, Vereine, Nachbarschaftszentren oder andere Einrichtungen gibt es? Wer sind wichtige lokale Akteur:innen? Anschließend wurden Bewohner:innen und Multiplikator:innen zusammengebracht. Die Aktivitäten sollten nicht von außen vorgegeben werden, sondern aus dem Stadtteil selbst entstehen, beispielsweise bei Nachbarschaftsfesten, in Schulen oder Vereinen. 

Ebenso wichtig war die Erfahrung, dass eine solche Strategie Zeit benötigt. Demokratische Bildungsarbeit lässt sich nicht immer nach wenigen Monaten anhand von Kennzahlen bewerten. Einstellungen, Deutungsmuster und soziale Beziehungen verändern sich nur langfristig.

Auch die Strategie selbst entwickelte sich weiter. Zu Beginn wurden Argumentationshilfen gegen weitverbreitete Behauptungen über Migration erstellt. Doch irgendwann entstand die entscheidende Frage: Was passiert, wenn man ein Gerücht ständig wiederholt, um es anschließend zu widerlegen? Trägt man so nicht selbst dazu bei, diesen Deutungsrahmen weiterzuverbreiten?

Aus dieser Selbstkritik heraus entstand eine Diskussion bei PACADER. Fakten und Statistiken bleiben notwendig. Wer politische Kommunikation nur als Widerlegung falscher Aussagen versteht, überlässt anderen die Themen und die Begriffe. Hinzu kommt, dass Menschen nicht nur Fakten, sondern auch kommunikative Fähigkeiten benötigen. Wie reagiert man im Familiengespräch, im Verein oder am Arbeitsplatz auf rassistische Verallgemeinerungen? Und das, ohne das Gespräch abzubrechen oder das Vorurteil zu verstärken?

Die Antirumores-Erfahrung führte somit zu einer zentralen Einsicht des Projekts, dass demokratische Kommunikation mehr können muss als nur korrigieren. Sie braucht eigene Geschichten, eigene Begriffe und gesellschaftliche Beziehungen, die Vertrauen schaffen.


Präsenzveranstaltung in Valladolid: „Demokratie zwischen Seminarraum, Erinnerungsort und ländlichem Raum“ (15. bis 17. Juni 2026)

Die Präsenzphase vom 15. bis 17. Juni 2026 in Kastilien und León bildete einen Höhepunkt der ersten Projekthälfte. Das Programm brachte Organisationen aus Spanien und Deutschland zusammen. Vertreten waren Gewerkschaften, Universitäten, Bildungs- und Erinnerungsinitiativen, migrantische Organisationen, Frauenorganisationen und Akteur:innen aus dem ländlichen Raum. Schon diese Zusammensetzung machte deutlich, wie breit der Begriff demokratischer Resilienz im Projekt verstanden wird. 

Der erste Arbeitstag in Valladolid begann mit einem für die Region besonders bedeutenden Thema: dem sozialen Dialog zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und öffentlichen Institutionen. Es folgten Beiträge zu drei Themen: Erfahrungen mit der extremen Rechten in Kastilien und León, internationales Gewerkschaftshandeln gegen Hassrede sowie soziale Allianzen für ein demokratisches Zusammenleben. Vertreter:innen der Fundación Triángulo, der Coordinadora de Mujeres de Valladolid und von Red Íncola diskutierten über die Zusammenarbeit unterschiedlicher Teile der Zivilgesellschaft. 

Dass demokratische Resilienz auch eine Frage der Erinnerung ist, wurde nicht nur im Seminarraum verhandelt. Ein historischer Rundgang durch Valladolid thematisierte Spuren von Repression und Erinnerungspolitik im Stadtraum. Am folgenden Tag führte eine Exkursion nach Cuelgamuros an einen der politisch umstrittensten Erinnerungsorte Spaniens. Der Besuch wurde von Emilio Silva, dem Präsidenten der „Asociación para la Recuperación de la Memoria Histórica“, begleitet. 

Die Reise verband diese Auseinandersetzung mit aktuellen sozialen Konflikten. Von Cuelgamuros aus ging es weiter nach Carbonero el Mayor in der Provinz Segovia. Dort traf die Gruppe auf Vertreter der Bauernorganisation Unión de Campesinos de Castilla y León (UCCL). Damit rückte ein Thema in den Mittelpunkt, das bereits im ersten Online-Workshop zur Sprache kam: die Situation ländlicher Regionen.

Hier zeigt sich, warum eine demokratische Strategie soziale und wirtschaftliche Fragen nicht von politischer Kommunikation trennen kann. Landwirtschaft, demografischer Wandel, Abwanderung, Infrastruktur und ökologische Transformation erzeugen reale Konflikte. Werden diese Erfahrungen nicht demokratisch aufgegriffen, entstehen Räume, in denen Vereinfachungen und Feindbilder attraktiv werden können.

Auch Wissenschaft und politische Bildung waren Teil der Reise. Veranstaltungen an der Universität Valladolid, demokratische Erinnerungsarbeit und Workshops zur extremen Rechten verbanden historische und aktuelle Perspektiven. Zum Abschluss führte das Programm nach Madrid. 

Die Tage in Kastilien und León zeigten, was PACADER unter politischer Erwachsenenbildung versteht. Lernen fand nicht nur in Vorträgen statt. Es entstand auch im Gespräch zwischen Gewerkschafter:innen und Aktivist:innen. Ebenso beim Gang durch die Stadt an einem umkämpften Erinnerungsort, im Austausch mit einer Bauernorganisation und an der Universität.


Workshop 3: Popkultur, Emotionen und die Suche nach einer eigenen demokratischen Erzählung (30. Juni 2026)

Kurz nach der Reise nach Valladolid griff der nächste Online-Workshop eine drängende Frage auf: Wie muss politische Bildung kommunizieren, wenn Aufmerksamkeit fragmentiert ist und Kommunikation zunehmend digital stattfindet?

Zu Gast war Manu Rodríguez, Politikwissenschaftler und Geschäftsführer des Thinktanks Cámara Cívica. Seine Arbeit verbindet politische Kommunikation, soziale Innovation und Popkultur. Filme, Serien, Literatur oder Computerspiele sind in diesem Ansatz keine bloße Unterhaltung. Sie können vielmehr Ausgangspunkte sein, um über Macht, Demokratie, Rassismus, Ungleichheit oder autoritäre Entwicklungen zu sprechen. 

Entscheidend ist dabei nicht das kulturelle Produkt selbst. Vielmehr geht es darum, politische Fragen in Erfahrungs- und Medienwelten zu übersetzen, die für die angesprochenen Menschen bereits Bedeutung besitzen.

Damit schloss der Workshop an die Diskussion über Antirumores an. Auch hier lautet eine Schlussfolgerung, dass Fact-Checking allein nicht genügt. Wer ausschließlich Falschinformationen widerlegt, bleibt reaktiv. Demokratische Kommunikation muss zugleich Bilder davon vermitteln, wie ein solidarisches und demokratisches Zusammenleben aussehen kann.

Dazu gehört auch die Fähigkeit, positive Zukunftsvorstellungen zu entwickeln. Im Workshop ging es deshalb um Methoden, mit denen Menschen gemeinsam wünschenswerte gesellschaftliche Entwicklungen durchdenken können, statt nur auf Konflikte zu reagieren.


Bilanz der ersten Hälfte

Die Formate waren unterschiedlich: der vergleichende Workshop, die Antirumores-Erfahrung, die Reise nach Kastilien und León sowie die Auseinandersetzung mit Popkultur. Dennoch zeichnen sich gemeinsame Erkenntnisse ab.

Die erste lautet, dass demokratische Resilienz soziale Infrastruktur ist und nicht erst in Parlamenten oder am Wahltag entsteht. Sie wächst in Gewerkschaften, Vereinen, Schulen, Nachbarschaften, Beratungsstellen, Universitäten und lokalen Initiativen. Wo Menschen einander begegnen, gemeinsame Interessen formulieren und Konflikte demokratisch austragen können, entstehen praktische Erfahrungen von Teilhabe.

Zweitens hat der Austausch gezeigt, wie wichtig der lokale Kontext ist. Extrem rechte Mobilisierung knüpft an reale Erfahrungen an, interpretiert diese jedoch durch eigene politische Deutungsangebote. So können im ländlichen Kastilien und León andere Konflikte im Vordergrund stehen als in einer sächsischen Kleinstadt oder einem thüringischen Landkreis. Dennoch stellt sich überall die Frage, ob demokratische Organisationen im Alltag präsent und ansprechbar sind.

Drittens braucht demokratische Bildungsarbeit eigene Narrative. Es reicht nicht aus, immer nur dort zu antworten, wo extrem rechte Akteur:innen ein Thema gesetzt haben. Wer ausschließlich auf deren Behauptungen reagiert, bewegt sich in einem fremden Rahmen. Das Baskenland und die Kommunikationsdebatte weisen deshalb in dieselbe Richtung, denn Fakten brauchen Beziehung, Emotion und Sprache. Und eine Vorstellung davon, für welche Gesellschaft demokratische Akteur:innen eintreten.

Viertens bedeutet politische Bildung heute auch, die eigenen Formate zu überprüfen. Ein klassischer Vortrag kann weiterhin sinnvoll sein. Er ist jedoch nicht für jede Zielgruppe und jede Situation die richtige Antwort. Lokale Aktivitäten, Popkultur, digitale Formate, Erinnerungspädagogik und praktische Begegnungen eröffnen andere Zugänge. Dabei geht es nicht darum, Inhalte zu vereinfachen, sondern komplexe Fragen verständlich und anschlussfähig zu machen.

PACADER zeigt schließlich, dass transnationales Lernen besonders produktiv wird, wenn Unterschiede nicht zugunsten vermeintlicher „Best Practices“ verschwinden. Eine Methode aus dem Baskenland lässt sich nicht ohne Weiteres nach Thüringen übertragen. Ein deutscher institutioneller Umgang mit der extremen Rechten kann nicht einfach nach Spanien exportiert werden. Der Wert des Austauschs liegt vielmehr darin, die eigenen Routinen durch die Erfahrungen anderer neu zu betrachten.


Der nächste Workshop: „Das TikTok-Universum der (extremen) Rechten“

Gerade die Frage nach neuen Formen politischer Kommunikation wird PACADER in der zweiten Projekthälfte weiter beschäftigen. Am 28. September 2026 findet von 9:00 bis 14:00 Uhr der nächste digitale PACADER-Workshop statt. Im Mittelpunkt steht diesmal TikTok – eine Plattform, die für die politische Meinungsbildung jüngerer Menschen immer wichtiger wird.

Unter dem Titel „Das TikTok-Universum der (extremen) Rechten“ wird der Workshop von zwei Bildungsreferent:innen der Bildungsstätte Anne Frank durchgeführt.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass rechte und extrem rechte Akteur:innen soziale Medien längst gezielt nutzen, um politische Botschaften zu verbreiten und insbesondere junge Menschen anzusprechen. Dabei reichen die Strategien von offen erkennbarer Agitation bis zu subtileren Formen politischer Kommunikation. Auf TikTok ist ein weit verzweigtes digitales Umfeld rechter bis extrem rechter Accounts entstanden. Dort verbinden sich politische Inhalte mit den Ästhetiken und Erzählweisen der Plattform.

Für die demokratische Bildungsarbeit stellt sich deshalb nicht nur die Frage, was dort verbreitet wird. Ebenso wichtig ist es zu verstehen, wie extrem rechte Kommunikation auf TikTok funktioniert. Welche Bilder, Codes und ästhetischen Mittel werden eingesetzt? Wie funktionieren Reichweite, Emotionalisierung und Normalisierung? Woran lässt sich außerdem erkennen, dass scheinbar unpolitische Inhalte Teil einer weitergehenden ideologischen Kommunikation sind?

Genau hier setzt der Workshop an. Die Teilnehmenden sollen Kompetenzen erwerben, um extrem rechte Agitation in sozialen Medien zu erkennen, zu benennen und einen kompetenten Umgang damit zu entwickeln. Anhand praktischer Übungen und Fallbeispiele werden die Ästhetiken und Dynamiken extrem rechter Propaganda untersucht. Darüber hinaus geht es darum, die eigene Medienkompetenz zu stärken und daraus Handlungsfähigkeit für die politische Bildungsarbeit zu entwickeln.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Suche nach Gegenstrategien. Wie kann extrem rechter Agitation im Netz begegnet werden? Wie können Organisationen und Multiplikator:innen reagieren, ohne lediglich die Kommunikationsagenda der extremen Rechten zu reproduzieren? Und welche Formen demokratischer Kommunikation können in digitalen Räumen selbst sichtbar und wirksam werden?

Damit knüpft der Workshop an die bisherigen PACADER-Diskussionen an. Die Antirumores-Arbeit hat gezeigt, dass das bloße Widerlegen von Behauptungen nicht ausreicht. Der Workshop mit Cámara Cívica hat wiederum deutlich gemacht, wie wichtig es ist, die Medien- und Lebenswelten der jeweiligen Zielgruppen ernst zu nehmen. Der Blick auf TikTok führt beide Perspektiven zusammen. Wer demokratische Resilienz stärken will, muss verstehen, wie politische Weltbilder heute über Plattformlogiken, Bilder und Emotionen vermittelt werden.


Zweite Projekthälfte: Der Blick geht nach Deutschland

Der TikTok-Workshop markiert zugleich den Übergang in die nächste Phase von PACADER. Mit der Präsenzphase in Kastilien und León ist der transnationale Lernprozess jedoch nicht abgeschlossen. Für November ist eine weitere gemeinsame Präsenzphase vorgesehen, deren inhaltliche Vorbereitung bereits begonnen hat. 

Es geht nicht darum, das spanische Programm zu spiegeln. Vielmehr sollen die bisherigen Erkenntnisse auf die Erfahrungen in Sachsen und Thüringen treffen. Welche Formen lokaler demokratischer Arbeit funktionieren dort? Was können spanische Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen aus diesen Erfahrungen mitnehmen? Welche Elemente der Antirumores-Arbeit lassen sich weiterdenken? Welche Antworten braucht politische Bildung angesichts der wachsenden Bedeutung von TikTok und anderen digitalen Räumen? Und welche neuen Bildungs- und Kommunikationsformate können gemeinsam entwickelt werden?

Gerade diese Bewegung in beide Richtungen zeichnet PACADER aus. Wissen wird nicht von einem vermeintlichen Modellland in ein anderes übertragen. Stattdessen bringen alle Beteiligten Erfahrungen, offene Fragen und auch gescheiterte Ansätze ein.


Demokratie verteidigen erlaubt keine vorgefertigten Antworten

Zur Halbzeit lässt sich deshalb vor allem festhalten, dass es nicht die eine Methode gegen den Aufstieg der extremen Rechten gibt.

Demokratische Resilienz entsteht aus vielen verbundenen Praktiken: sozialer Sicherheit und Teilhabe, Erinnerung und Bildung, glaubwürdiger Kommunikation sowie lokaler Organisation. Heute gehört dazu auch zunehmend die Fähigkeit, digitale Räume zu verstehen und dort demokratisch handlungsfähig zu bleiben.

Die erste Hälfte von PACADER hat gezeigt, wie viel Wissen bereits in Gewerkschaften, Initiativen, Bildungseinrichtungen und lokalen Organisationen vorhanden ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass dieses Wissen stärker miteinander verbunden werden muss.

Genau darin liegt die Aufgabe für die kommenden Monate: Erfahrungen nicht nur auszutauschen, sondern aus ihnen gemeinsam neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.



Denn demokratische Resilienz ist kein Zustand, den eine Gesellschaft einmal erreicht und anschließend dauerhaft besitzt. Sie ist eine Praxis. Sie beginnt dort, wo Menschen sich organisieren, miteinander sprechen und Verantwortung für den demokratischen Raum übernehmen.



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