Neues Projekt
Politische Bildung in Werkstätten für Menschen mit Behinderung
Es ist soweit
Unser Projekt „Politische Bildung in Werkstätten für Menschen mit Behinderung“ startet im Januar 2026
Mit diesem Projekt entwickelt die Werkstatt für Sozialforschung e.V. gemeinsam mit Beschäftigten aus Berliner Werkstätten neue Wege der politischen Bildung.
Im Mittelpunkt stehen Empowerment, Selbstaktivierung und die Stärkung der politischen Handlungsmöglichkeiten von Menschen mit kognitiven und/oder psychischen Beeinträchtigungen.
Das Projekt wird von der Heidehof-Stiftung gefördert.
Diese Unterstützung ermöglicht es, gemeinsam mit den Beschäftigten in Werkstätten langfristige Strukturen politischer Bildung zu erproben, zu dokumentieren und für andere Einrichtungen zugänglich zu machen.

Worum geht es?
Viele klassische Angebote der politischen Bildung erreichen Menschen mit Behinderung nur unzureichend. Das liegt oft nicht am fehlenden Interesse, sondern daran, dass Formate, Sprache und Inhalte nicht gut auf den Alltag der Zielgruppe abgestimmt sind.
Hier setzt das Projekt an: Gemeinsam mit den Teilnehmenden werden Themen, Fragen und Methoden entwickelt, die direkt mit ihrem Lebens- und Arbeitsumfeld zu tun haben – von Mitbestimmung in der Werkstatt über Wahlen bis hin zu Barrierefreiheit und Alltagspolitik.
Das Ziel ist, politische Bildung dort stattfinden zu lassen, wo die Menschen sind: in den Werkstätten. Diese werden als Lebens- und Lernorte verstanden, in denen nicht nur gearbeitet, sondern auch gelernt, ausprobiert und Demokratie im Alltag erlebt wird.
Zielgruppe: Beschäftigte in Berliner Werkstätten
Die Zielgruppe sind Menschen mit kognitiven und/oder psychischen Beeinträchtigungen, die in Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung arbeiten.
Werkstätten haben den Auftrag, die Persönlichkeit der Beschäftigten umfassend zu fördern. Dazu gehört auch, sich über gesellschaftliche Fragen auszutauschen und die eigenen Rechte sowie Handlungsspielräume besser kennenzulernen.
Politische Bildung knüpft hier an und macht deutlich:
„Meine Erfahrungen und meine Meinung sind wichtig – und ich kann etwas verändern.“
Aufsuchende politische Bildung
Das Projekt folgt dem Ansatz der aufsuchenden politischen Bildung.
Anstatt Menschen zu externen Veranstaltungen einzuladen, gehen wir in die Werkstätten, bauen Beziehungen auf und entwickeln gemeinsam mit den Beschäftigten Inhalte und Formen der Zusammenarbeit.
So werden räumliche, soziale und kommunikative Barrieren abgebaut. Politische Bildung wird Teil des Werkstattalltags und stärkt gleichzeitig die Vernetzung mit dem Umfeld der Werkstätten.
Erfahrungen aus einem Vorläuferprojekt haben gezeigt, dass Menschen mit Behinderung sich aktiv, kreativ und mit großem Engagement beteiligen, wenn sie in passenden Formaten angesprochen werden. Diese Erfahrungen greift das neue Projekt auf und entwickelt sie weiter.
Aufbau: Sechs Projektdurchgänge in drei Werkstätten
Das Projekt findet in drei Berliner Werkstätten unterschiedlicher Träger statt. In jeder Werkstatt werden zwei Projektdurchgänge durchgeführt, sodass es insgesamt sechs Durchgänge gibt.
Jeder Durchgang folgt einer klaren Struktur mit drei Phasen:
1
Zukunftswerkstatt – Einstieg
Zum Auftakt kommen die Teilnehmenden in einer Zukunftswerkstatt zusammen.
Dabei geht es darum, auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch zu kommen und herauszufinden, was sie bewegt.
Mögliche Fragen sind:
- Welche Themen interessieren mich und uns?
- Was soll sich in unserem Alltag oder in der Gesellschaft ändern?
- Was bräuchten wir dafür, und wie können wir anfangen?
In dieser Phase stehen Ideen, Wünsche und Kritik im Mittelpunkt, ebenso wie das Sammeln erster Projektideen.
Am Ende wird gemeinsam beschlossen, worauf im nächsten Schritt hingearbeitet wird.
2
Mikroprojekt – selbst politisch aktiv werden
In der Projektphase setzen die Gruppen ein eigenes politisches „Mikroprojekt“ um.
Die Teilnehmenden planen gemeinsam, verteilen Aufgaben, treffen Entscheidungen und setzen ihre Ideen in die Tat um – zum Beispiel mit einer Informationsaktion in der Werkstatt, einer Gesprächsrunde mit Gästen, einem kleinen Film oder einer Ausstellung.
Für jedes Mikroprojekt steht ein kleines Budget zur Verfügung, über das die Gruppe eigenverantwortlich entscheidet. So wird Selbstwirksamkeit konkret erfahrbar:
„Wir haben eine Idee, und wir können sie gemeinsam umsetzen.“
Die Beteiligten sind an allen Schritten beteiligt: von der Planung über die Durchführung bis zur Reflexion und Dokumentation.
Die Werkstatt wird so zu einem politischen Handlungsraum, in dem sichtbar wird, dass Mitbestimmung und Teilhabe keine abstrakten Begriffe sind, sondern im eigenen Umfeld beginnen.
3
Zukunftswerkstatt – Abschluss und Auswertung
Zum Abschluss des Durchgangs kommen die Gruppen erneut in einer Zukunftswerkstatt zusammen.
Dort wird gemeinsam zurückgeblickt:
- Was haben wir erreicht? Was hat gut funktioniert, und wo gab es Schwierigkeiten? Welche Themen und Formen politischer Bildung möchten wir weiterführen?
Die Ergebnisse werden in leicht verständlicher Sprache festgehalten und fließen in die Weiterentwicklung des Gesamtprojekts ein.
Begleitend zu den Projektdurchgängen bieten die beteiligten Werkstätten offene thematische Veranstaltungen an.
Die Themen orientieren sich an den Interessen der Beschäftigten, zum Beispiel an Wahlen und politischen Rechten, Teilhabe- und Mitbestimmungsstrukturen, Barrierefreiheit oder Fragen der Alltagspolitik. Externe Expertinnen und Experten geben kurze Impulse und treten mit den Teilnehmenden in den Austausch. So entsteht ein abwechslungsreiches Angebot, das Wissen vermittelt, Diskussionen anregt und weitere Interessierte erreicht.
In der letzten Projektphase werden alle Erfahrungen ausgewertet, ein Abschlussbericht in Leichter Sprache erstellt und Materialien entwickelt, die anderen Werkstätten und Trägern zur Verfügung gestellt werden.
Nachhaltigkeit und Qualität
Damit das Projekt nachhaltig wirkt, setzen wir auf klare Strukturen der Qualitätssicherung.
- Eine Steuerungsgruppe begleitet das Projekt fachlich und organisatorisch, sichert den antragsgemäßen Ablauf und reagiert auf mögliche Schwierigkeiten.
- Ein Beirat aus Expertinnen und Experten der Selbstvertretung sowie der politischen Bildung von Menschen mit Behinderungen bringt zusätzlich Erfahrung und eine Außenperspektive ein.
So wird gewährleistet, dass die unterschiedlichen Sichtweisen der Zielgruppe und der Fachpraxis berücksichtigt werden.
Die Erreichung der Projektziele wird anhand verschiedener Indikatoren überprüft, zum Beispiel an der Anzahl und Qualität der von den Teilnehmenden geplanten und umgesetzten Mikroprojekte, ihrer aktiven Beteiligung in allen Phasen sowie der dokumentierten Beispiele von erlebter Selbstwirksamkeit.
Auch die Zahl der thematischen Veranstaltungen sowie die Arbeit der Steuerungsgruppe und des Beirats fließen in die Auswertung ein.
Darüber hinaus ist der Transfer wichtig.
Die Ergebnisse und Erfahrungen werden in einem Abschlussbericht in Leichter Sprache sowie in einem Materialpaket mit Methoden, Ablaufplänen und Beispielen guter Praxis aufbereitet.
Ziel ist es, ein übertragbares Arbeitsprogramm für politische Bildung in Werkstätten zu entwickeln und andere Träger zur Nachahmung zu ermutigen.

