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Aktuelles

Politische Bildung, Selbstvertretung und Teilhabe

Das Projekt „Werkstätten“ geht weiter!

Wie wollen wir arbeiten?

Welche Rechte haben Menschen mit Behinderungen?

Wie können politische Entscheidungen beeinflusst werden?

Und was bedeutet Demokratie im eigenen Alltag?


Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigen sich Beschäftigte in Werkstätten im Rahmen unseres Projekts „Werkstätten“.

Im Sommer 2026 fanden zwei Workshop-Reihen bei Integral e.V. und der faktura gGmbH in Berlin statt.

Begleitet und moderiert wurden sie von Rita Hübenthal-Montero und Stefan Zeh von der Werkstatt für Sozialforschung e.V. Das Projekt wird durch die Heidehof Stiftung gefördert. Mit den beiden Workshop-Reihen ist das Projekt nicht abgeschlossen: Weitere Aktivitäten und Kooperationen sind bis Mitte 2027 vorgesehen.

Politische Bildung beginnt mit den eigenen Fragen

Ausgangspunkt der Workshop-Reihen waren nicht vorab festgelegte politische Themen, sondern die Interessen, Erfahrungen und Fragen der Beschäftigten selbst. Gemeinsam wurde zu Beginn gesammelt, was die Teilnehmenden beschäftigt und welche Themen sie in den folgenden Terminen bearbeiten möchten.

Dabei entstand ein breites Spektrum an Fragen: die Zukunft der Werkstätten, Entgelt und Rentenansprüche, Rechte von Menschen mit Behinderungen, Teilhabe und Eingliederungshilfe. Genannt wurden außerdem bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum, der Umgang mit Behörden, Gleichstellung, Klimaschutz sowie Parteien und Wahlen.

Ein Grundgedanke des Projekts ist, politische Bildung nicht auf die Vermittlung von Wissen zu beschränken. Die Teilnehmenden erhalten konkrete Entscheidungsspielräume: Sie wählen Themen aus, priorisieren Fragen, übernehmen Aufgaben und gestalten Teile des Programms selbst.

Bei Integral zog sich dieser Ansatz durch die gesamte Reihe. Die Beschäftigten entschieden sich dafür, Politiker:innen einzuladen, eine andere Werkstatt kennenzulernen und den Deutschen Bundestag zu besuchen.

Auch bei faktura entwickelte sich das Programm aus der gemeinsamen Themenfindung. Besonders wichtig war den Beschäftigten, unterschiedliche Meinungen frei äußern zu können und respektvoll miteinander umzugehen. Teilnehmende übernahmen anschließend selbst die Kontaktaufnahme mit Politiker:innen, dokumentierten Ergebnisse, brachten eigene Informationen ein und moderierten Teile der politischen Gespräche.


Demokratie verstehen – und selbst praktizieren

In den Workshops beschäftigten sich die Gruppen mit Demokratie, politischen Parteien, Wahlen und gesellschaftlichen Konflikten.

Bei Integral setzten sich die Teilnehmenden beispielsweise mit dem politischen Links-Rechts-Spektrum und unterschiedlichen Parteipositionen auseinander. Eine räumliche Positionierungsübung machte politische Unterschiede sichtbar: Die Beschäftigten mussten zu verschiedenen Aussagen eine eigene Position beziehen und diese begründen. Auch ein Rollenspiel führte zu intensiven Diskussionen über Inklusion, bezahlbares Wohnen, gesellschaftliche Ressourcen und soziale Unterstützung.

Bei faktura stand unter anderem die Frage im Mittelpunkt, warum demokratische Parteien der Mitte an Zustimmung verlieren und politische Ränder stärker werden. Die Gruppe diskutierte, welche Faktoren eine Demokratie stärken oder gefährden. Außerdem beschäftigten sich die Teilnehmenden damit, wie sich persönliche Meinungen, Gerüchte und überprüfbare Tatsachen unterscheiden lassen. Ebenso ging es darum, warum verlässliche Informationsquellen für politische Meinungsbildung wichtig sind.

Demokratie wurde dabei nicht nur als Staatsform behandelt. Auch die Arbeitsweise innerhalb der Gruppen war Teil des Lernprozesses: Themen wurden gemeinsam ausgewählt, Entscheidungen getroffen, Gesprächsregeln vereinbart und Aufgaben verteilt. Politische Bildung wurde so mit konkreten Erfahrungen von Mitbestimmung und Selbstvertretung verbunden.


Politik bekommt Gesichter

Zu den Höhepunkten beider Workshop-Reihen gehörten die direkten Begegnungen mit Politiker:innen.

Bei Integral sprach die Gruppe mit dem Bundestagsabgeordneten Pascal Meiser von Die Linke sowie mit Marianne Burkert-Eulitz von Bündnis 90/Die Grünen. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Zukunft der Werkstätten, bezahlbarer Wohnraum, Barrierefreiheit und Rechte von Menschen mit Behinderungen. Hinzu kamen öffentlicher Nahverkehr, Klimaschutz und politische Beteiligung.

Bei faktura kamen Nadine Rietz von der SPD, Katja Zimmermann von Bündnis 90/Die Grünen und Lucas Schaal von der CDU, allesamt Kandidat:innen für den Wahlkreis in dem sich auch die Werkstatt befindet, mit den Beschäftigten ins Gespräch. Diskutiert wurden unter anderem bezahlbares und barrierefreies Wohnen, soziale Sicherung, Entgelt und Rentenansprüche, die Zukunft und Finanzierung der Werkstätten. Weitere Themen waren Übergänge auf den allgemeinen Arbeitsmarkt, Gleichstellung, Barrierefreiheit und die politische Beteiligung von Menschen mit Behinderungen.

Die Teilnehmenden hatten viele Fragen selbst vorbereitet. Teilweise übernahmen sie eigenständig die Moderation der Gespräche und entwickelten aus den Antworten weitere Nachfragen.

Damit wurde Politik unmittelbar erfahrbar: Die Beschäftigten konnten ihre eigene Lebens- und Arbeitssituation direkt gegenüber politischen Entscheidungsträger:innen thematisieren und unterschiedliche politische Positionen kennenlernen.


Verständliche politische Kommunikation ist Voraussetzung für Teilhabe

Die politischen Gespräche zeigten zugleich: Beteiligung entsteht nicht allein dadurch, dass Menschen Fragen stellen können.

Politische Sprache kann kompliziert sein. Lange Antworten, Fachbegriffe oder abstrakte Erklärungen erschweren die Beteiligung. Bei Integral musste die Moderation deshalb mehrfach längere Aussagen zusammenfassen und in verständlichere Sprache übertragen. Die Erfahrungen zeigten, wie wichtig einfache und zugängliche Sprache für inklusive politische Bildungsarbeit ist.

Auch bei faktura wurde immer wieder darauf geachtet, anspruchsvolle politische Diskussionen so zusammenzufassen, dass alle Teilnehmenden ihnen folgen konnten. Verständlicher Schriftverkehr und Leichte Sprache in Behörden und Wahlprogrammen wurden von den Beschäftigten selbst als politische Anliegen formuliert.

Die Workshop-Reihen machten zudem deutlich, dass Beteiligung unterschiedlich aussehen kann. Einige Menschen diskutieren viel und stellen zahlreiche Fragen, andere hören lieber aufmerksam zu. Beide Formen können Ausdruck von Interesse und politischer Teilhabe sein.


Wie sieht gute Arbeit aus?

Ein Thema zog sich besonders durch beide Workshop-Reihen: die Zukunft der Werkstätten.

Dabei ging es nicht nur um sozialpolitische Grundsatzfragen. Die Beschäftigten formulierten konkrete Vorstellungen davon, was gute Arbeit für sie bedeutet.

Bei Integral wurden besser belüftete Räume, ergonomische Arbeitsplätze, Rückzugsmöglichkeiten, bessere Sanitäranlagen, mehr Platz und sichere Arbeitsbedingungen genannt. Gleichzeitig wünschten sich Teilnehmende mehr eigenverantwortliche Aufgaben, interessantere Arbeitsaufträge, mehr Selbstständigkeit sowie einen regelmäßigen Austausch zwischen Beschäftigten und Werkstattleitung.

Bei faktura standen Fragen nach Rentenansprüchen, beruflicher Anerkennung, Übergängen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt und der langfristigen Finanzierung von Werkstätten im Mittelpunkt. Die Diskussionen verbanden die Zukunft der Werkstätten mit Sicherheit, Wertschätzung, Selbstbestimmung und verlässlicher sozialer Absicherung.

Das Entgelt der Beschäftigen der Werkstätten wird mit anderen Leistungen verrechnet, was einen enormen Aufwand mit sich bringt. Wichtig war es den Teilnehmenden, dass die verschiedene staatliche Unterstützung gebündelt, die bürokratischen Hürden abgebaut und die Antragstellung vereinfacht wird. 

Die Gespräche zeigten: Für die Beschäftigten bedeutet gute Arbeit weit mehr als Beschäftigung. Es geht auch um Würde, Anerkennung, Gesundheit, Selbstständigkeit und Mitbestimmung.


Lernen von anderen: Besuch der BWB Westhafen

Die Integral-Gruppe hatte bereits beim ersten Workshop den Wunsch geäußert, eine andere Werkstatt kennenzulernen. Dieser Wunsch wurde mit einem Besuch bei der BWB am Standort Westhafen umgesetzt.

Bei einem Rundgang lernte die Gruppe unterschiedliche Arbeitsbereiche und Beschäftigungsmöglichkeiten kennen. Gespräche mit Vertreter:innen des Werkstattrats und den Frauenbeauftragten ermöglichten einen Austausch über Interessenvertretung und Arbeitsbedingungen.

Besonderes Interesse fanden die sogenannten betriebsintegrierten Gruppen, bei denen Beschäftigte organisatorisch an die Werkstatt angebunden bleiben, aber direkt in externen Unternehmen tätig sind.

Beim gemeinsamen Mittagessen entstanden weitere Gespräche, und es wurden Kontakte für einen zukünftigen Austausch geknüpft. Der Besuch verband politische Bildung, praktische Einblicke und werkstattübergreifende Vernetzung.


Demokratie vor Ort erleben: Besuche im Deutschen Bundestag

Den Abschluss der beiden Workshop-Reihen bildeten Besuche des Deutschen Bundestages.

Die Integral-Gruppe verband den Bundestagsbesuch mit einem Rundgang durch das Berliner Regierungsviertel. Am Brandenburger Tor, am Holocaust-Mahnmal und im Bundestag wurden unterschiedliche politische Systeme und historische Erfahrungen thematisiert. Anschließend verfolgten die Teilnehmenden von der Besuchertribüne eine laufende Plenarsitzung an der auch Pascal Meiser, der Abgeordnete der Linke, der die Werkstatt besucht hatte, einen engagierten Beitrag hielt.  So konnten sie unmittelbar beobachten, wie parlamentarische Debatten und Abstimmungen stattfinden.

Auch die faktura-Gruppe begann ihren Abschluss mit einem Rundgang am Brandenburger Tor und Holocaust-Mahnmal. Im Reichstagsgebäude folgte eine ausführliche Führung. Die Beschäftigten erhielten Informationen zur Geschichte des Gebäudes, zur Zusammensetzung des Bundestages, zur Arbeit der Abgeordneten und zu parlamentarischen Entscheidungsprozessen.

Die Exkursionen verbanden die diskutierten Fragen zu Demokratie und politischer Beteiligung mit konkreten politischen und historischen Orten.


Positive Rückmeldungen – und wichtige Hinweise für die weitere Arbeit

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden zu beiden Workshop-Reihen waren sehr positiv.

Bei Integral wurden insbesondere die Gespräche mit Politiker:innen, die Atmosphäre, die Einbindung der Gruppe und die Moderation hervorgehoben. Einzelne Rückmeldungen machten darauf aufmerksam, dass lange und informationsreiche Phasen anstrengend sein können. Vorgeschlagen wurden klarere Pausenzeiten, eine bessere zeitliche Orientierung und transparente Abstimmungen über die Themenauswahl.

Auch bei faktura wurden Themen, Moderation und Zusammenarbeit sehr positiv bewertet. Besonders wichtig war für mehrere Beschäftigte die Erfahrung, die eigene Meinung frei äußern zu können und trotz unterschiedlicher politischer Positionen respektvoll miteinander zu diskutieren.

Diese Hinweise sind für die weitere Projektarbeit besonders wertvoll. Sie zeigen, dass inklusive politische Bildung nicht nur von den behandelten Themen abhängt. Entscheidend sind auch verständliche Sprache, abwechslungsreiche Methoden, geeignete Pausen, ausgewogene Redeanteile und echte Mitbestimmung bei der Gestaltung des Programms.


Das Projekt geht weiter!

Die Workshop-Reihen bei Integral und faktura waren wichtige Stationen des Projekts „Werkstätten“, aber nicht sein Abschluss.

Auch in den kommenden Aktivitäten wollen wir politische Bildungsräume schaffen, in denen die Erfahrungen und Interessen der Beschäftigten im Mittelpunkt stehen. Menschen sollen ihre Fragen einbringen, politische Akteur:innen direkt ansprechen und eigene Positionen entwickeln. Dabei sollen sie erleben, dass politische und gesellschaftliche Teilhabe sie unmittelbar betrifft.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Politische Bildung wird besonders lebendig, wenn sie an der eigenen Lebenswelt ansetzt. Sie verbindet dann Wissen mit Begegnung, Diskussion und konkreter Erfahrung.


Demokratische Teilhabe beginnt dort, wo Menschen erleben: Ihre Fragen zählen, ihre Erfahrungen werden ernst genommen und ihre Stimme wird gehört.



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